02 September 2010, Donnerstag

Istanbuler Arbeiter ziehen vor UPS-Zentrale

Der heute in 154 Ländern stattfindende Aktionstag zur Unterstützung der UPS-Arbeiter verlief in Istanbul mit Schwung und viel Beteiligung. Die Arbeiter zogen vor die örtliche Zentrale von UPS.

CEM AVAROĞLU cem@emekdunyasi.net

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Von der medizinischen Fakultät des Çapa-Krankenhauses aus zogen die in der Gewerkschaft TÜMTİS organisierten Arbeiter auf den Stadtbahngleisen vor die im Stadtteil Zeytinburnu gelegende UPS-Zentrale. Trotz des regnerischen Wetters beteiligten sich in groβer Zahl auch Angehörige der Arbeiter. Aus dem Zug waren Slogans wie „Unser Recht auf eine Gewerkschaft kann niemand behindern‟, „Wer Widerstand leistet, gewinnt‟ und „UPS geht zur Gewerkschaft‟ zu hören.

Nach der Ankunft in Zeytinburnu kam es kurzfristig zu Spannungen zwischen Polizei und Gewerkschaftern vor der UPS-Zentrale. Polizeikräfte versuchten, die Arbeiter am Verlesen einer Presseerklärung im Merkezefendi-Park gegenüber der UPS-Zentrale zu hindern. Durch die entschlossene Haltung der Gewerkschafter und Arbeiter blieb ihnen jedoch nichts anderes übrig als der Rückzug.

Die Presseerklärung wurde von Kenan Öztürk, dem Vorsitzenden der TÜMTİS, verlesen. Dieser führte aus: „Unser Kampf  hat die nationalen Grenzen überschritten. Heute trommeln auch Arbeiter in Argentinien für ihre Brüder in der Türkei, in den USA marschieren Arbeiter zur Zentrale von UPS in Atlanta, in Südafrika gehen zahllose Protestfaxe und -anrufe in den UPS-Büros ein. Von Indien bis nach Japan, von Jordanien bis Korea, von Österreich bis nach Hong Kong, von Norwegen bis nach Australien tragen die Gewerkschaften das Feuer der Solidarität und die Wut des Kampfes auf die Straβe. Die Botschaft an UPS lautet: wer das Recht der Arbeiter auf gewerkschaftliche Organisierung bestreitet, bekommt es mit uns zu tun. Das sagen nicht nur die Widerstandszelte in der Türkei, sondern auch die Stimmen tausender Arbeiter in der ganzen Welt, die heute demonstrieren

"WIR VERLASSEN DIE WIDERSTANDSZELTE NICHT"

Die UPS-Leitung, so Öztürk, habe vielleicht gedacht, sie könne die Arbeiter mit der Angst vor Arbeitslosigkeit und Hunger eine Lehre erteilen, so Öztürk. B,s zur erfüllung der Forderungen werde man sich jedoch nciht von den Widerstandszelten wegbewegen. Die Forderungen listete Öztürk so auf:

- Alle entlassenen Arbeiter sollen ohne weitere Bedingungen wieder eingestellt werden.

- Kein Arbeiter darf wegen Gewerkschaftszugehörigkeit bedroht, keiner zum Austritt aus der Gewerkschaft genötigt werden.

- Die UPS-Leitung soll dem Recht auf gewerkschaftliche Organisierung gegenüber Respekt zeigen und umgehend die Verständigung mit der Gewerkschaft suchen.

Öztürk rief die Schwestergewerkschaften und Massenorganisationen sowie alle jene, die sich der Bewegung der Arbeitenden verbunden fühlten, auf, den Kampf so lange fortzusetzen, bis die Gewerkschaftsmitglieder in İstanbul, İzmir, Ankara und Balıkesir wieder an ihren Arbeitsplätzen und ein Tarifvertrag unterschrieben sei.

Nach Öztürk sprach Cemal Bakındı, Sekretär für Organisierung beim Gewerkschaftsverband Türk-İş: "Wir kämpfen heute gegen das internationale Kapital. Es ist die gröβte globale Solidaritätskampagne, die ich erlebt habe. Die jetzige Phase ist eine, in der wir zusammen kämpfen müssen. TÜMTİS hat damit begonnen. Die Welt ist ein Platz, an dem internationale Kräfte der Arbeit gegen internationales Kapital kämpfen.‟

Die UnterstützerInnen der UPS-Arbeiter: Cemail Bakındı, Organisierungssekretär der TÜRK-İŞ und gleichzeitig Generalsekretär der Gewerkschaft TOLEYİS, Attila Ayçin, Vorsitzender der Gewerkschaft der im Flugverkehr Beschäftigten HAVA-İŞsowie deren Leitung, Kanber Saygılı, Vorsitzender der Gewerkschaft LİMTER-İŞ, Faruk Büyükkucak, Vorsitzender der Türk-İş-Niederlassung im 1. Istanbuler Bezirk, die Niderlassung der Gewerkschaft PETROL-İŞ aufder Europäischen Siete Istanbuls, die 10. Niederlassung der Gewerkschaft TEK GIDA-İŞ, die Istanbuler SELÜLOZ-İŞ, DERİ-İŞ in Tuzla, TEKSİF, die HARB-İŞ-Niederlassung des östlichen Istanbuls, die Gewerkschaft TÜRK METAL-İŞ, die 1., 4. und 5. Niederlassung von TEZ KOOP-İŞ, die Istanbuler YOL-İŞ, der Vorsitzende der Vereinigten Transportgewerkschaft BTS, ArbeiterInnen, VertreterInnen und Leitung der Textilgewerkschaft RİMAKS, der Verein der Subunternehmer in Çapa, die entlassenen Beschäftigten des Istanbuler Wasserversorgungsunternehmens İSKİ, der Solidaritätsverein der maritimen Beschäftigen (DADDER), die Plattform 'Sichere, Gesunde Zukunft für Alle', die BDSP, Alınteri, die Kampfgemeinschaft/Mücadele Birliği, die Parteien ESP, SDP, DHF, UİDER, die Organisation İşçi Cephesi, sowie Ehepartnerinnen und Kinder der entlassenen UPS-Arbeiter.