07 Januar 2011, Freitag

Mutki/ Bitlis: Massengrab im Garten der Wache

Nachdem bekannt geworden war, dass neben der örtlichen Gendarmeriekommendantur des Kreises Mutki/Bitlis 36 Angehörige der PKK begraben sein sollen, drängten die Familien der dort Vermuteten auf Aufklärung. Bei Ausgrabungen auf einem als Garten und Müllhalde genutzten Gelände neben der Wache wurden Knochen von insgesamt zwölf Personen gefunden.

Nachdem bekannt geworden war, dass neben der örtlichen Gendarmeriekommendantur des Kreises Mutki/Bitlis 36 Angehörige der PKK begraben sein sollen, drängten die Familien der dort Vermuteten auf Aufklärung. Bei Ausgrabungen auf einem als Garten und Müllhalde genutzten Gelände neben der Wache wurden Knochen von insgesamt zwölf Personen gefunden.

Obwohl bereits vor Jahren von über 100 Massengräbern in Bitlis ausgegangen worden war, wurde bisher noch keine Forderung nach deren Öffnung umgesetzt. Nur der anhaltende Kampf  des Menschenrechtsvereins und der Familien Verschwundener führte schliesslich zu Ergebnissen.

Vor wenigen Tagen war auf Antrag von İHD und der Familien Verschwundener  bei der Staatsanwaltschaft Mutki an einer Stelle mit Ausgrabungen begonnen worden, an der eines der Massengräber vermutet wurde. Die Ausgrabung fand unter Beobachtung der Staatsanwaltschaft und strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bereits an der ersten von vier vorab bestimmten Stellen wurden Knochen von zwölf Personen gefunden. Zur Feststellung der Identität wurden diese ins Istanbuler Gerichtsmedizinische Institut überstellt. An den übrigen drei Stellen wird unmittelbar mit den Ausgrabungen begonnen werden. Die Familien Verschwundener, die in den Knochen den Beleg für die Tötung ihrer Angehörigen sehen, forderten indes, die Täter ausfindig zu machen.

Augenzeuge: 36 PKK-KämpferInnen begraben

Behauptungen besagen, dass alle 36 der bei Auseinandersetzungen im Raum Mutki zu unterschiedlichen Zeiten getöteten PKK-KämpferInnen im Garten der Gendarmeriewache begraben worden seien. Ein Zeuge, der im fraglichen Zeitraum in Mutki lebte und für die örtliche Stadtverwaltung arbeitete, berichtete gegenüber der Nachrichtenagentur Dicle (DİHA) über die Vorfälle. Er gab an, bei verschiedenen Begräbnissen zugegen gewesen zu sein und fuhr fort: "Ich verspüre Gewissensbisse deswegen. Ich habe viermal gesehen, wie getötete PKK-ler dort hingebracht wurden.  Und ich habe gesehen, wie drei Massengräber ausgehoben wurden, ich habe die Begrabenen mit meinen eigenen Augen gesehen. Diese Tage vergesse ich nie."

Wie Hasan Ceylan, Vertreter des İHD in Bitlis, ausführte, war über mehr als 100 Massengraeber berichtet worden. 38 davon sollen sich im Raum Mutki befinden. "Aber die Menschen schweigen darüber, weil sie Angst haben", so Ceylan. Umso wichtiger seien Berichte von Augenzeugen für die Aufklärung.

'Ausgrabungen gehen weiter'

Serdar Çelebi, Anwalt und Mitglied der Leitung des İHD, erklärte unterdessen: "In dieser Gegend wurden 12 Personen gefunden. Nun liegen noch Anfragen von etwa zehn Familien bei unseren Ortsvereinen in Bingöl, Istanbul, Diyarbakır und Bitlis vor. Wir haben im Namen dieser Familien die Staatsanwaltschaft ersucht, an den drei übrigen Punkten ebenfalls Ausgrabungen vorzunehmen. Noch haben wir keine Antwort erhalten." Man werde sich jedoch bis zum Beginn der Ausgrabungen weiter verwenden, so Çelebi.