14 April 2011, Donnerstag

Frauen demonstrieren für Freilassung kranker Gefangener

Im Istanbuler Stadtteil Bakırköy demonstrierten Frauen für die Freilassung Hediye Aksoys sowie aller politischen Gefangenen. Die Frauen waren auf die Straße gegangen, um v.a. auf die Situation der sehbehinderten und an Krebs erkrankten Gefangenen Aksoy aufmerksam zu machen, für die Ärzten zufolge eine Behandlung im Gefängnis nicht möglich ist.

Hunderte Frauen der kurdischen Massenorganisation Demokratische Freie Frauenbewegung (DÖKH) waren zusammengekommen, um Freiheit sowohl für die sehbehinderte Hediye Aksoy zu fordern, die im Frauengefängnis Bakırköy inhaftiert ist und trotz erheblicher gesundheitlicher Beschwerden aufgrund ihrer fortschreitenden Krebserkrankung nicht entlassen wird, als auch für die übrigen inhaftierten Frauen.

Die Frauen, die sich vor dem Gebäude der Gewerkschaft der Beschäftigten im Luftverkehr (Hava İş Sendikası) in der Istanbuler Incirli-Straße versammelt hatten, zogen bis zum Platz der Freiheit in Bakırköy. Auf Bannern war in kurdischer und türkischer Sprache „Sofortige Freilassung für Hediye Aksoy und alle kranken Gefangenen" zu lesen; die Frauen skandierten Slogans wie „Die revolutionären Gefangenen sind unsere Ehre" und  „Frauen, Leben, Freiheit".

Güneş Duygu Koçak, eine Aktivistin der DÖKH, begann die Presseerklärung, die zum Abschluss auf dem Freiheitsplatz im Namen der DÖKH verlesen wurde, mit Worten aus einem Brief von Aksoy: „Ich erlebe Gefangenschaft in der Gefangenschaft. Die Dunkelheit hat mich in Bewegungslosigkeit versetzt, als hätte sie meinen Beinen Ketten und meinen Händen Handschellen angelegt. Ich bin nicht in einem Zimmer, sondern in einem Bett gefangen."

Koçak machte darauf aufmerksam, dass sich zu Zeiten der AKP Regierung die Situation in den Gefängnissen, sowohl was die Behandlung der Gefangenen, als auch was die gesundheitlichen Bedingungen angeht, verschlechtert, sowie der Druck auf die Gefangenen zugenommen habe. Koçak sagte weiterhin, dass das Institut für Rechtsmedizin (ATK) aufgehört habe ein Ort zu sein, an dem auf konstruktive Weise dazu beizutragen wird, für die Gesundheit Inhaftierter und Verurteilter Sorge zu tragen. Inhaftierte und Verurteilte mit gesundheitlichen Beschwerden würden, so Koçak, ausschließlich im Sarg aus den Gefängnissen entlassen. Dass Hediye Aksoy und revolutionäre Gefangene, die sich in schwerkrankem Zustand in Haft befinden, von Seiten des Staates somit vorsätzlich dem Tode überlassen werden, bezeichnete Koçak als "Grausamkeit und Mord".

Koçak betonte die Forderung nach sofortiger Freilassung aller kranken Häftlinge und rief dazu auf, gemeinsam gegen Ungerechtigkeit vorzugehen.

Im Anschluss an die Erklärung besuchten die Frauen das auf dem Platz aufgeschlagene "Zelt der demokratischen Lösung" der prokurdischen BDP.

Hediye Aksoy war 1994 infolge einer Minenexplosion festgenommen und inhaftiert worden.  Nachdem sie durch die Explosion bereits beide Augen verloren hatte, erkrankte sie im Gefängnis zudem an Brustkrebs. Obwohl im Bericht des Krankenhauses bescheinigt wird, dass Aksoys Zustand "lebensbedrohlich" ist, wird ihr die Entlassung aus der Haft verweigert.

Istanbul-EmekDunyasi.Net/DIHA - Übersetzung: RH