ERSTE MAİ
Hunderttausende auf dem Taksim-Platz in Istanbul
In Istanbul wurde heute der Erste Mai heute von an die 200.000 Menschen auf dem Taksim-Platz gefeiert.
In Erinnerung an die beim Massaker vom 1. Mai 1977 zu Tode Gekommenen legten die Vorsitzenden der Gewerkschaftsverbände am Kazancı Yokuşu, einer engen Zugangsstraße zum Platz, Nelken nieder. Ein dort parkendes Auto war damals zum Verhängnis Vieler geworden; insgesamt fielen den Schüssen und der nachfolgenden Panik 36 Menschen zum Opfer.
‘Heute strömen die Arbeiterinnen und Arbeiter der Welt auf die Plätze, um in Einheit und Solidaritaet die Forderungen nach Arbeit, nach Frieden und Freiheit zum Ausdruck zu bringen, so Mustafa Kumlu, Generalsekretär der TÜRK-İŞ, in seiner Rede. ‘Wir sind wie schon vor Jahren hier auf dem Taksim-Platz, wir gedenken unserer 1977 verlorenen Freunde – aber zwischen dem heutigen Gedenken und dem der letzten 33 Jahre besteht ein bedeutender Unterschied. Wir erleben hier heute auch die Freude darüber, dass der Taksim-Platz den Arbeiterinnen und Arbeitern zur Feier des 1. Mai wieder offensteht.’
Zwei Arbeitende verlasen als Delegierte der Verbände DİSK und TÜRK-İŞ einen ‘Erklärung zum 1.Mai’. Diese ging u.a. auf die immer verbreiteteren deregulierten, unversicherten Arbeitsverhältnisse ein: mittlerweile sind in der Türkei die Hälfte der Beschäftigten in flexiblen, unversicherten Jobs beschäftigt. Gewerkschaftlicher Organisierung werden immer mehr Hindernisse in den Weg gelegt; zahlreiche Arbeiterinnen, v.a. im Bergbau, fallen den, wie das Papier betonte, als ‘Arbeitsunfälle’ getarnten Verbrechen zum Opfer. Ferner hieß es in der Erklärung: ‘Wir wollen Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und Demokratie. Wir fordern eine freiheitliche, die Gleichheit aller verpflichtete, zivile und demokratische Verfassung. Wir stehen hier für eine Türkei, in der alle Arbeitenden das Recht auf Streik, auf Tarifverhandlungen und gewerkschaftliche Organisierung haben. Wir werden nicht auf Demokratie und nicht auf den Sozialstaat verzichten.’