EUROPÄİSCHES SOZİALFORUM İN ISTANBUL 2010:
ESF-Plakate in kurdischer Sprache Zielscheibe von Nationalisten
Plakate für das 6. Europäische Sozialforum in Istanbul, die in fünf Sprachen, darunter auch Kurdisch, für das Ereignis mobilisierten, sind zum Anlass einer Hetzkampagne nationalistischer Kreise gegen das Forum geworden. In einer Erklärung des ESF-Organisationskommittees dazu hiess es: „Die Kampagne dient erkennbar denjenigen, die die Identität des kurdischen Volkes ableugnen.‟
Die Vorbereitungen für das vom 1. bis zum 4. Juli stattfindende erste Europäische Sozialforum in einem Nicht-EU-Land stehen mittlerweile kurz vor dem Abschluss. Die betreffenden Plakate in türkischer, englischer, deutscher, französischer und kurdischer Sprache waren in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgehängt worden und hatten bei manchen für Unmut gesorgt.
Anlässlich der Hetzkampagne holte Tuncay Ok vom Organisationskommittee des 6. ESF zu weiteren Erläuterungen aus: die Ausrichtung des Forums in Istanbul sei aus der Einsicht hervorgegangen, dass die Türkei eine Brückenrolle gegenüber Asien und Europa einnehme. Daher sei es auch das Ziel, die Türkei in ihrer Vielfarbigkeit widerzuspiegeln. Die kurdische stelle eine der gröβten Bevölkerungsgruppen innerhalb der Türkei dar. Zudem befänden sich VertreterInnen kurdischer Organisationen unter den VeranstalterInnen des Forums, was die Entscheidung für die kurdische Sprache auf den Plakaten zusätzlich beeinflusst habe. Auch stehe das jetzige ESF in der Kontinuität des im letzten September in Diyabakır organisierten Mesopotamischen Sozialforums (MSF), was einen weiteren Faktor für die Entscheidung ausmache. Ok zufolge hat die intensive Beteiligung kurdischer Kräfte an der jetzigen Vorbereitung ebenso wie die Teilnahme von AktivistInnen aus dem Libanon, Ägypten, Irak und anderen Bevölkerungen des Nahen Ostens am vergangenen MSF groβen Einfluss auf die Zentralkommittees der Welt- und Sozialforen gehabt.
Was die Anerkennung verschiedener Sprachen auf den Sozialforen betreffe, so Ok, sei hervorzuheben, dass auf dem Weltsozialforum an die 50 Sprachen gesprochen wurden. „Es geht dabei um Übersetzungen in gewünschte Sprachen wie auch um Presseerklärungen und andere Veröffentlichungen. Entgegen anderslautender Behauptungen gibt es keine festgelegte Grenze bei diesem Thema. Es handelt sich bei der Vielsprachigkeit um eines der grundlegendsten Prinzipien der Weltsozialforen. Beispielsweise wurden auch beim MSF etwa 50 Sprachen gesprochen. Beim zuletzt in Athen veranstalteten ESF wurden neben Griechisch auch europäische Sprachen wie Mazedonisch, Rum-griechisch, Serbisch und Englisch gesprochen. Im Rahmen der über dreihundert Panels des Istanbuler ESF werden auβer Kurdisch eine Vielzahl von Sprachen zu hören sein, darunter auch Baskisch, Katalanisch und Arabisch. Die mögliche Anzahl der Sprachen ist in keiner Hinsicht begrenzt.‟
So verstehe sich der Aushang der fünfsprachigen Plakate. „Gemäβ der gesellschaftlichen Situation in der Türkei stehen Kurdisch und Türkisch an erster Stelle. Was die Quelle der Kampagne gegen das Forum angeht, so dient dies eindeutig nationalistischen Kreisen. Dahinter steht ein Verständnis der Türkei als nur den Türken gehörend, das keine andere Meinung gelten lassen will. Derlei Vorstöβe richten sich nicht nur gegen die kurdische, sondern etwa auch gegen die armenische Bevölkerungsgruppe in der Türkei sowie gegen die syrische Minderheit. Und sie richten sich gegen europäische demokratische Normen.‟
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