18 September 2010, Samstag

Explosion in Hakkari - Aktion der Konterguerilla?

Gestern in den frühen Morgenstunden kam es zu einer Explosion im türkischen Grenzort Hakkâri: unter einem Minibus war eine Mine gezündet worden. 9 Personen wurden getötet. Ein paar am Tatort 'vergessene' Armeetaschen lieferten indes zahlreiche Indizien. Die Taschen, die offensichtlich der Brigadekommandantur Hakkâri gehören, enthielten explosives Material und Waffen.

 

Als der Minibus an der nahe Hakkâri gelegenen Ortschaft Durankaya vorbeifuhr, kam es zur Explosion. beldesinde bir köy minibüsünün geçişi sırasında patlama oldu. 9 Personen wurden kamen zu Tode, 4 wurden verletzt, darunter ein Kleinkind. Die Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) erklärte: „Bei diesem Angriff handelt es sich um eine Kontraguerillaaktion.‟

DORFBEWOHNER BEHALTEN TASCHEN

Bewohner des anliegenden Ortes Geçitli (kurd. Peyanis), die das Ereignis beobachtet hatten, fanden unweit vom Tatort zwei Armeetaschen, die drei nichtexplodierte Minen und Kabel enthielten. Als sie die Taschen auf Aufforderung von Armeeangehörigen nicht herausgeben wollten, kam es zu Spannungen. Inzwischen wurde bestätigt, dass einer der am Tatort befindlichen Soldaten per Funktelefon folgende Nachricht erhalten hatte:'Wir haben unsere Taschen mit Material vergessen, holt sie sofort da weg!'

Der Bezirksvorsitzende der BDP, Hakkâri İl Başkanı Orhan Koparan, sagte am Tatort: „Es gab vier Panzersprengminen. Zwei sind explodiert, zwei weitere waren sprengbereit. Als sich während der Explosion ein weiteres Fahrzeug näherte, flüchteten die Täter und lieβen das Material zurück.‟ Auf die am 20. September endende Waffenruhe seitens der PKK bezogen, fuhr Koparan fort: „Das ist das Werk dunkler Kräfte, die den Prozess sabotieren und das Land ins Chaos stürzen wollen. Aber man sollte sich darüber bewusst sein, dass die Kurden sich durch dererlei inzwischen nicht mehr provozieren lassen.‟

Im Dorf hatten sich lediglich fünf Personen am Referendum über die Verfassungsänderungen beteiligt.

SIGNUM DER 'HANÇER-EINHEIT'

Nach Augenzeugenberichten hatten Soldaten die am Tatort zurückgelassenen Rucksäcke, die als Militärausrüstung bekannt sind, an sich nehmen wollen. Es kam zu einem Aufruher zwischen Bewohnern, die sich dem widersetzten, und den Soldaten. Auf zweien der gefundenen Seitengewehre, so heisst es in der Region, stehe das in der Bevölkerung bekannte Signum der „Hançer-Einheit‟, was den Anschlag als Werk des Gendarmeriegeheimdienstes JİTEM ausweise.

Morgen werden die BDP-Covoorsitzenden Gültan Kışanak und Selahattin Demirtaş sowie Ahmet Türk, Covorsitzender der DTK (), nach Hakkâri reisen.

Bei dem Anschlag verloren Aydın Erol (30), Eşref Gür (32), Enes Erol (22), Şirin Kurt (23), Ebubekir İdem (40), Cane Dayan (50), Zarife Çiftçi (25), Semiha Dayan (35), Nurullah Çiftçi (2), Umut Çiftçi (3) ihr Leben. Die Verletzten Özgür İdem, Sudenaz Kurt, Berivan Dayan und Zeynep Kurt (6 Monate) sind noch in Behandlung.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan gab folgende erste Erklärung ab: „Wir verfolgen die Ereignisse genauestens und werden uns durch derartige Vorkommnisse keinesfalls einschüchtern lassen. Der Terror kostet einen hohen Preis (belli bir bedeli ödettiriyor), aber er wird nicht ohne Antwort bleiben.‟

Der Anschlag ereignete sich nach einem Besuch des Friedensnobelpreisträger und früheren finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari, der sich für eine Lösung der kurdischen Frage eingesetzt hatte. Ahtisaari hatte zunächst Diyarbakır bereist und sich dann mit Ministerpräsident Erdoğan getroffen.

AKTION DER KONTERGUERILLA

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fırat erklärte die Leitung der kurdischen KCK sofort, mit dem Anschlag in Hakkâri nichts zu tun zu haben. Die KCK verlautete:„Bei diesem Anschlag handelt es sich um eine Aktion der Konterguerilla. Unser patriotisches Volk in der Region Hakkâri war zu groβen Teilen am Tage des Referendums nicht an die Urnen gegangen und hatte sich am Boykott beteiligt.

Die KCK-Erklärung ging wie folgt weiter: „Unser am 13. August bis zum 20. September erklärter Verzicht auf Aktionen geht nach wie vor weiter. Wenn es zu keiner ernsten Situation kommt, bleibt diese Entscheidung bis zum 20. September gültig.‟

DEMİRTAŞ: PROVOKATION

Selahattin Demirtaş, Covorsitzender der BDP, sagte, diejenigen die in Hakkâri neun Angehörige der PKK getötet hätten und die Urheber des Minibus-Anschlags seien dieselben. Nach dem Anschlag habe die Regierung das geplante Treffen mit ihm annulliert, so Demirtaş.

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